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Investitionsstau: Worauf du verzichtest – und wo du zuerst investieren solltest

Es fehlt selten am Geld, sondern an einer klaren Reihenfolge. Vier Kriterien, mit denen du Vorhaben belastbar priorisierst.

27 % der mittelständischen Unternehmen würden aktuell einen Bankkredit für Investitionen in Betracht ziehen. 2017 waren es noch 66 Prozent. Quelle: KfW Research, Kreditnutzung im Mittelstand 2026

Nur 27 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland würden aktuell überhaupt einen Bankkredit zur Finanzierung von Investitionen in Betracht ziehen. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. 2023 waren es noch 42 Prozent, 2017 sogar 66 Prozent. Die Bereitschaft zur Kreditaufnahme hat sich damit innerhalb weniger Jahre mehr als halbiert. Als wichtigsten Grund nennen 63 Prozent der Unternehmen den Wunsch, Schulden zu vermeiden; jedes zweite Unternehmen strebt grundsätzlich keine Fremdfinanzierung an.1

Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Wer in den vergangenen Jahren mit schwankender Nachfrage, hohen Energiekosten und einer unklaren Handelspolitik umgehen musste, möchte vor allem unabhängig bleiben. Der Wunsch nach finanzieller Stabilität ist kein Fehler. Er führt jedoch dazu, dass Entscheidungen aufgeschoben werden, die über die Wettbewerbsfähigkeit der kommenden Jahre entscheiden.

Vorsicht ist rational – und hat trotzdem ihren Preis

Der Rückgang der Kreditbereitschaft betrifft nicht alle Unternehmen gleichermaßen. Bei größeren Mittelständlern mit mehr als zehn Beschäftigten liegt sie weiterhin stabil bei über 50 Prozent. Bei Kleinstunternehmen und im Dienstleistungssektor ist sie dagegen deutlich eingebrochen: Dort ziehen nur noch 21 Prozent eine Kreditfinanzierung in Betracht.

Gleichzeitig geben 36 Prozent der Unternehmen an, dass ihre Eigenmittel für die geplanten Vorhaben ausreichen. Das ist zunächst eine gute Nachricht – solange die Vorhaben klein bleiben. Es wird zum Problem, wenn der eigene Cashflow zur Obergrenze der Ambition wird.

Ein weiterer Punkt ist bemerkenswert: 30 Prozent der Unternehmen empfinden die Offenlegungspflichten der Banken als zu hoch; 2023 waren es noch 17 Prozent. Übersetzt bedeutet das oft: Der Aufwand, die eigene Planung so aufzubereiten, dass eine Bank sie nachvollziehen kann, erscheint größer als der Nutzen der Finanzierung. Wer seine Strategie ohnehin auf einer Seite verständlich erklären kann, hat diese Hürde bereits weitgehend genommen.2

Zwei Muster, die teuer werden

In der Praxis zeigen sich beim Investitionsstau häufig zwei Reaktionen.

Die erste ist das Verschieben: Ersatzinvestitionen werden gestreckt, Software läuft ein weiteres Jahr, und die Instandhaltung übernimmt zunehmend die Rolle der Erneuerung. Das kann erstaunlich lange funktionieren – bis Stillstandszeiten, Qualitätsprobleme oder ineffiziente Prozesse spürbar zunehmen.

Die zweite Reaktion ist die Gleichverteilung. Jeder Bereich bekommt etwas, damit sich niemand übergangen fühlt. Das Ergebnis sind fünf halbfertige Vorhaben statt zwei wirksam abgeschlossener Projekte.

Beide Muster haben denselben Kern: Es fehlt meist nicht am Geld. Es fehlt an einer klaren Entscheidung darüber, was zuerst kommt.

Die entscheidende Frage ist die Reihenfolge, nicht das Budget

Was es braucht, ist daher nicht zwingend ein größeres Budget, sondern eine nachvollziehbare Reihenfolge. Welche drei Vorhaben zahlen am stärksten auf den Unternehmenswert ein? Vier Kriterien helfen, diese Frage für jedes Vorhaben zu beantworten:

  1. Wirkung auf das Ergebnis: Was verändert sich messbar – und in welchem Zeitraum?
  2. Dringlichkeit: Was passiert, wenn wir zwei Jahre warten?
  3. Bindung: Wie viel Führungszeit und wie viele Schlüsselpersonen beansprucht das Vorhaben?
  4. Reversibilität: Können wir das Vorhaben stoppen, ohne bereits zu viel verloren zu haben?

Das vierte Kriterium wird besonders häufig übersehen – und ist gerade in unsicheren Phasen besonders wichtig. Ein Vorhaben, das sich schrittweise umsetzen lässt, ist bei gleicher Wirkung deutlich wertvoller als eines, das nur vollständig oder gar nicht funktioniert.

Woran du eine gute Priorisierung erkennst

Eine gute Priorisierung ist unbequem. Sie enthält nicht nur eine Liste der Vorhaben, die umgesetzt werden, sondern auch eine Liste derer, die bewusst nicht verfolgt werden. Genau dieser zweite Teil fehlt in vielen Planungen.

Solange nichts gestrichen wird, ist nichts wirklich priorisiert. Und solange die Geschäftsleitung die Reihenfolge nicht gemeinsam verantwortet, entscheidet am Ende die Bereichsleitung mit dem größten Nachdruck.

Im Mittelstand werden Investitionsentscheidungen häufig dann getroffen, wenn das Ergebnis gut war. Das führt dazu, dass das Investitionsverhalten der Konjunktur folgt, statt ihr entgegenzuwirken. Wer eine begründete Reihenfolge hat, kann den umgekehrten Weg gehen: In schwächeren Phasen gezielt in zwei zentrale Vorhaben investieren, während der Wettbewerb pausiert.

Das erfordert keine grundsätzlich höhere Risikobereitschaft. Es erfordert die Fähigkeit, die zwei richtigen Vorhaben klar zu benennen – und alle anderen konsequent zu verschieben.

Wo dein Geld die größte Wirkung erzielt

Co-Strat bewertet deine Vorhaben gemeinsam mit dir und deinem Team und macht sichtbar, wo dein Geld und deine Zeit die größte Wirkung entfalten. Der Aufwand beträgt nur wenige Stunden pro Woche neben dem Tagesgeschäft, der Prozess dauert wenige Wochen.

Das Ergebnis ist eine Strategy Map inklusive Handlungsempfehlung: eine fundierte Reihenfolge, hinterlegt mit dem erwarteten Wertbeitrag jedes Vorhabens. Weil diese Reihenfolge gemeinsam entsteht, trägt das Führungsteam sie mit. Und genau das entscheidet darüber, ob die vereinbarten Ziele auch erreicht werden.

  1. KfW Research: Kreditnutzung im Mittelstand, Fokus Volkswirtschaft Nr. 543, April 2026, auf Basis der Sonderbefragung zum KfW-Mittelstandspanel vom Januar 2026. kfw.de (PDF) ↑
  2. KfW Research: Immer weniger mittelständische Unternehmen wollen einen Kredit aufnehmen, Pressemitteilung vom 14. April 2026, auf Basis der Sonderbefragung zum KfW-Mittelstandspanel vom Januar 2026; ausführlich in Fokus Volkswirtschaft Nr. 543, April 2026. kfw.de ↑